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	<title>BINWEG &#124; tüdeldü &#187; Literatur</title>
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		<title>Der Schwarm</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 19:23:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rino</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin wach. Ja, sicher, du bist wach und hochkonzentriert, aber du träumst den falschen Traum. Die ganze Menschheit ist in einem Wachtraum gefangen von einer Welt, die es nicht gibt. Wir erträumen uns einen Kosmos der taxonomischen Tabellen und statistischen Mittelwerte, ausserstande, die objektive Natur wahrzunehmen. Das unserem Blick entzogene Ineinander und Miteinander, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin wach.</p>
<p>Ja, sicher, du bist wach und hochkonzentriert, aber du träumst den falschen Traum. Die ganze Menschheit ist in einem Wachtraum gefangen von einer Welt, die es nicht gibt. Wir erträumen uns einen Kosmos der taxonomischen Tabellen und statistischen Mittelwerte, ausserstande, die objektive Natur wahrzunehmen. Das unserem Blick entzogene Ineinander und Miteinander, das untrennbar verflochtene, versuchen wir zu entflechten, indem wir es zu einem Nacheinander und Übereinander ordnen, an dessen Spitze wir uns selber setzen. Wir verständigen uns über Idole und Ausschnitte, erklären sie zur Wirklichkeit, schaffen Abfolgen und Hierarchien, verzerren Raum und Zeit. Immer müssen wir etwas sehen, um es zu verstehen, aber im Moment, da wir es sichtbar machen, entziehen wir es unserem Verständnis. Der sehende Mensch ist blind, Karen. Schau in die Dunkelheit. Der Urgrund allen Lebens ist dunkel.</p>
<p>Das Dunkle ist bedrohlich.</p>
<p>Keineswegs! Es entzieht uns die Koordinaten unserer sichtbaren Existenz. Ist das so schlimm? Die Natur ist objektiv und voller Vielfalt! Erst durch die Brille der Voreingenommenheit veramt sie, weil wir nach Gefallen oder Missfallen urteilen. Immerzu erblicken wir uns selbst im grellen Flimmern. Zeigen all diese Darstellungen auf unseren Computer- und Fernsehbildschirmen die wirkliche Welt? Ergibt die Aufsummierung aller Eindrücke Vielfalt, solange wir uns über Prototypen verständigen müssen wie &#8220;die Katze&#8221; und &#8221; die Farbe Gelb&#8221;? Es ist zweifellos etwas wunderbares, wie das menschliche Hirn dem Variantenreichtum solche Mittelwerte abtrotzt, ein prächtiger Trick, um die Verständigung über das Unmögliche möglich zu machen, aber der Preis ist die Abstraktion. Am Ende steht eine idealisierte Welt, in der Millionen Frauen versuchen, wie zehn Supermodels auszusehen, Familien eins Komma zwei Kinder haben und ein Chinese im Schnitt 63 Jahre alt und 1 Meter 70 gross wird. Vor lauter Versessenheit auf Normen übersehen wir, dass die Normalität im Abnormalen liegt, in der Abweichung. Die Geschichte der Statistik ist eine Geschichte der Missverständnisse. Sie hat uns geholfen, Überblick zu gewinnen, aber sie leugnet die Variation. Sie hat uns der Welt entfremdet.</p>
<p><em>ISBN: 978-3-596-16453-0</em></p>
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		<title>Otherland</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 14:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rino</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Schliesslich hob das Mädchen die dunklen Augen und blickte ins Publikum. Ihr Ausdruck war eine Mischung aus Anklage und Angst, aber darunter sass noch etwas anderes, etwas wie Abscheu, fast eine Herausforderung. Jemand schrie ihr etwas in einer Sprache zu, die Renie nicht verstand. Dicht dahinter lachte ein anderer Kunde schallend. Ohne Anzeichen körperlicher Anstrengung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schliesslich hob das Mädchen die dunklen Augen und blickte ins Publikum. Ihr Ausdruck war eine Mischung aus Anklage und Angst, aber darunter sass noch etwas anderes, etwas wie Abscheu, fast eine Herausforderung. Jemand schrie ihr etwas in einer Sprache zu, die Renie nicht verstand. Dicht dahinter lachte ein anderer Kunde schallend. Ohne Anzeichen körperlicher Anstrengung packten die vermummten Gestalten die vier Extremitäten des Mädchens und hoben sie hoch. Langgestreckt und blass schimmernd schwebte sie zwischen ihnen, ein Stück Reinheit, das befleckt und verformt werden musste. Die Musik sank zu einem leisen, gespannten Summen ab.</p>
<p>Einer der dunklen Gestalten verdrehte dem Mädchen den Arm. Sie krümmte sich, so dass unter der durchscheinenden Haut plötzlich matte dunkle Adern und straff gezogene Sehnen hervortraten, aber gab keinen Laut von sich. Der Arm wurde weiter gedreht und verzerrt. Etwas riss mit einem grässlichen Geräusch, und das Mädchen schrie schliesslich doch, ein ersticktes, langgezogenes Schluchzen. Renie krampfte sich der Magen zusammen und sie wand sich ab.</p>
<p>Es ist alles künstlich, sagte sie sich. Nicht wirklich. Nicht wirklich.</p>
<p><em>ISBN: 978-3-453-53075-1</em></p>
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		<title>Herr Lehmann</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 17:30:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rino</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das sind ja Wahnsinnige, dachte Herr Lehmann masslos, während er, wie auf ein Wunder wartend, in der Nähe der Tür inmitten eines unerträglichen Hin und Hers verharrte, belästigt von Leuten, die sich im vorbeigehen wie sexuell unterzuckert an ihm rieben, obwohl er doch rücksichtsvoll darauf achtete, dass soviel Raum zwischen ihm und dem nächsten Hindernis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das sind ja Wahnsinnige, dachte Herr Lehmann masslos, während er, wie auf ein Wunder wartend, in der Nähe der Tür inmitten eines unerträglichen Hin und Hers verharrte, belästigt von Leuten, die sich im vorbeigehen wie sexuell unterzuckert an ihm rieben, obwohl er doch rücksichtsvoll darauf achtete, dass soviel Raum zwischen ihm und dem nächsten Hindernis blieb, dass auch der letzte motorische Idiot Platz zum reibungsfreien Vorbeikommen finden konnte. Frühstück, schon das Wort ist hassenswert, dachte er, wenn man so darüber nachdenkt, dachte er, was soll das überhaupt heisse, Frühstück, Frühstück, das frühe Stück, wahrscheinlich haben das mal irgendwelche Bauern erfunden, dachte er, während er immer wieder seine Position verändern musste, um den Frühstückern auszuweichen, die dauernd irgendwo aufstanden und auf dem Weg von irgendwo nach irgendwo, zum Klo und zurück oder wie auch immer, nie aber das Lokal verlassend, was das einzig akzeptable gewesen wäre, ihn bedrängten, irgendwelche Bauern, dachte er, die sich schon vor Sonnenaufgang irgendwelche Stücke von irgendwas auf ein Messer gespiesst in den Mund steckten, bevor sie rausgehen und ihre Knechte verprügeln, dachte.</p>
<p>Aber noch biederer und noch hässlicher als das Wort Frühstück sind die Frühstücker, wollte er sich innerlich nicht beruhigen, während er dort noch immer stand und darauf wartete, dass man ihn bemerkte, was ihm langsam peinlich wurde. Auch Frühstücker sind Menschen, aber warum müssen sie ihr furchtbares Hobby ohne Scham in die Öffentlichkeit tragen, dachte er, ohne in seiner Rage noch Halt zu finden, sie sind wie Nudisten oder Swinger oder so, dachte er, sie heben fettige Finger, und dann sagen Sie Dinge wie &#8220;Kann ich noch ein Ei haben&#8221; oder &#8220;Ich hatte noch einen Milchkaffe bestellt&#8221;, dachte Herr Lehmann, und dabei merken sie gar nicht, wie furchtbar das ist.</p>
<p><em>ISBN: 3-442-45684-3</em></p>
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